Gedanken über Geist und Quanten (Teil zwei)

Autorin: Xiaobao Liu – Übersetzung: Daosheng Li

Quanten und Qi (炁)

Vorerst möchte ich gerne über Quanten und Qi schreiben.
Ein Quant bedeutet die kleinste Einheit, das kleinste Objekt, in jedweder Materie oder im diskreten Wert einer physikalischen Größe. Die Aufteilung einer physikalischen Größe (zum Beispiel einer Energie) in bestimmte Portionen kleinster Einheiten wird als Quantelung bezeichnet. Die kleinsten Einheiten werden Quanten genannt. Die Quantelung hat die Eigenschaft, dass ihr Zunehmen oder Abnehmen nicht nach einer beständigen Abfolge, sondern in plötzlichen Mutationen oder Sprüngen passiert. Dies steht im Kontrast zu unserer Erfahrung mit der makroskopischen Welt: Üblicherweise finden wir, dass der Wandel physikalischer Größen ein ständiger und gradueller Prozess ist. Der Unterschied zwischen der Quantelung und dem ständigen Wandel einer physikalischen Größe ist wie der Unterschied zwischen digitaler und analoger Information. Digitale Informationen werden in ein binäres System, in die zwei Größen 0 und 1 eingeteilt. Zwischen ihnen gibt es keine Größen. Hingegen kann man bei analogen Informationen beliebig viele Zahlenwerte zwischen 0 und 1 finden.

Im Jahr 1900 vertrat Max Planck als erster die Hypothese der Quantelung, um somit das Problem der Hohlraumstrahlung zu lösen. Zuerst brachte Planck das Konzept vom „Wirkungsquantum“ (heute „Quant“) hervor: die kleinste Einheit einer Energie. Die Atomabsorption und Atomemission passiert in Portionen, jede Portion ist ein Quant.

*Wer mehr über das Wirkungsquantum und die Quantelung wissen möchte, findet zum Beispiel im Wikipedia-Artikel über das Bohr-Modell weitere Informationen.

Zufälligerweise ist in der traditionellen chinesischen Medizin das Qi beides: die Basis der Welt und gleichzeitig die kleinste Einheit. Daoisten sagen: „Ein kleines bisschen Qi gibt es im Anfänglichen, im Angeborenen, und es kommt aus dem Nichts“ (先天一气,自虚无中来). „炁“ (Qi) ist ein piktografisches Zeichen, und dessen Zusammensetzung weist auf das Nichts, worin eine kleine Flamme entfacht ist, hin. „Aus dem Nichts entsteht etwas“; das ist ein Sprung.
Das Qi kann man weder sehen noch anfassen, und dennoch spielt es in allen Arten von Dingen und Situationen eine raffinierte Rolle.
Das in diesem Text verwendete „炁“ ist dasselbe wie „气“.

Mit Hilfe der Übung der DEAN METHODE können wir von der Existenz des Qi erfahren, und  sein Fließen spüren. Das Qi ist die Brücke der Kommunikation zwischen dem Körper und dem Geist. Wenn wir das Qi wahrnehmen können, sind wir in der Lage, die Krankheit des Körpers zu spüren und in der selben Zeit diese zu behandeln; wenn unser Qi kräftig genug ist, können wir uns mit unseren fünf Organen verbinden und Informationen über unsere Wurzel, unseren Ursprung erhalten.

Wir denken, dass Quanten und Qi vielleicht auch ein Schnittpunkt zwischen der alten Kultur und der modernen Wissenschaft ist und dass wir durch das Verständnis der Eigenschaft von Quanten auch ein tieferes Wissen über die Wunder des Qi erhalten. Umgekehrt lässt uns das Spüren des Flusses des Qi die Phänomene der Quanten leichter begreifen.

Meister Dean Li sagte einmal: „Das Qi ist schlau, es wird dich anleiten.“ Vielleicht liegt der Schlüssel zum Lösen vieler Rätsel, welche in der Quantenwelt noch ungelöst sind, im Erfahren und Vertrautmachen mit Qi.