Vormittag
Daosheng war nach der Grundübung wieder mit dabei. Es ging vertiefend um die Themen rund um den Herbst: In der Zeit des Herbstes befindet sich alles im Wandel und die verschiedenen Energien mischen sich. Die Energien vom Spätsommer tanzen mit den Energien des Winters und dadurch entstehen Turbulenzen, was auch z.B. in den starken Temperaturdifferenzen, Trockenheit und Feuchtigkeit etc. sichtbar wird. Das erfordert Energie, sich immer wieder an die “chaotischen” Veränderungen anzupassen.
Die Lunge liebt die klare Energie, was im Kontrast zu dieser chaotischen Energie steht. Im besten Sinne gelangen wir in dieser Zeit immer wieder neu zur Klarheit. Die Lunge ist wie eine Wolke, die das Wasser im Körper verteilt. Sie erhält die Essenzen von der Milz und bringt diese zur Niere, die sie speichert. Lungen- und Herzenergie beeinflussen sich, da sie benachbart im Oberkörper liegen. Die Lunge reguliert das Qi durch die Atmung und das Herz reguliert das Blut. Qi und Blut sind yang und yin – geistiger und materieller Aspekt.
Daosheng sagt zum Punkt “eingezwängte Weiße”. Eingezwängt kommt vom anatomisch gelegenen Platz des Punktes und weiß ist die Farbe der Lunge. Die Funktion des Punktes ist wie ein Schutzschild. Die Lunge ist ein sensibles Organ und die erste Barriere gegen äußere Einflüsse. Sie bildet die Basis im Qi Gong, weil die Lunge für die Atemregulierung zuständig ist. Die Atemregulierung steht z.B. in den Kampfkünsten im Mittelpunkt. Erst wenn man die Atmung beherrscht, kann man in den Bewegungen tiefer gehen. Die Haut ist eine Erweiterung der Lunge und indem wir den Atem regulieren, regulieren wir die Sensitivität. Wenn wir nicht gut spüren, können wir am Besten mit der Lunge beginnen zu arbeiten. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem sich öffnen und spüren, und dem sich abgrenzen und sich schützen. Der Atemfluss wird sehr leicht beeinflusst, auch durch Emotionen, ohne dass uns das bewusst wird.
Nach der Lungenübung führte Meister Li eine besondere Zeremonie mit uns durch.
In den letzten Wochen hatte er viele „Wünsche“ in Form chinesischer Schriftzeichen geschrieben – darunter 中 (Zhōng) für die Mitte, 医 (Yī) für Heilung oder Heilkunst, und 李 (Lǐ). Diese kalligrafischen Zeichen verbrannte er nun gemeinsam mit uns, um ihre Energie zu transformieren: Der Rauch stieg als geistige Essenz auf. Ein Teil der Zeremonie bestand darin, dass die Kraft dieser Wünsche in einem Stein (Meteoriten) gespeichert wurde, den Meister Li als Geschenk erhalten hatte. Anschließend wurde auch das Behältnis gereinigt, um den Energiefluss zu klären. Nach dieser berührenden Übung stimmten wir gemeinsam den Herzton He an.
Erfahrung von gestern:
“Ich mache Urlaub, ich nehme mir Zeit für mich. Gleichzeitig ist es ein Lernen, nehme ich mir genug Zeit für mich und für andere.
Meine Ahninnen hatten keine Wahl, ich habe sie.
Im Geist trage ich meinen jüngsten Enkel bei mir. Wie ein Känguru: Er sitzt in einem „Beutel“ aus dunkelblauem Teddyplüsch in meinen Armen.
Es ist eine Herzensübung, wir füllen uns auf mit Wärme, Liebe und Geborgenheit. Es ist eine innige Verbindung von Oma und Enkel. Yin und Yang ☯️. Altes, verstörendes löst sich, es wird zu Sand, fließt zurück zur Erde. So wie die Blätter zu Boden fallen und und neuen Humus erzeugen für das nächste Jahr, damit das Gute, die neue Saat für das nächste Frühjahr gute Bedingungen bietet für ein neues Wachstum.
Ich spüre eine tiefe Verbindung zu mir, zu meinem Yin, zu meinem Herzen. Darin wächst eine neue Kraft, eine zarte warme Liebe…
Ich sage ja zu mir und meinem Leben und zur Liebe 🧡
In einer Übung heute Morgen haben wir getönt. Am Anfang habe ich gespürt, welcher Ton für mich passt, dann kam auch das Hu ganz leicht und frei… Ich habe den anderen gelauscht, das Gemeinsame war deutlich spürbar, der Klang ähnelte einem Summen, wie eine Mutter, die ihrem Kind ein Wiegenlied summt, eine tiefe Verbindung entsteht. Plötzlich sind da viele Stimmen, die das Hu tönen… Männer und Frauen, die Männer Stimmen sind etwas tiefer und fließen in mein linkes Ohr, die Frauenstimmen sind etwas höher und fließen in mein rechtes Ohr, es ist harmonisch und sanft…
Ich bin ganz tief in mir verbunden und berührt…
Draußen spiegelt sich die Natur, es ist ein stiller, milder Herbsttag, nebelig und angenehm. Die feuchte Luft hilft mir, tiefer durchzuatmen, das Meer singt mit seinen Wellen. Geborgenheit und Liebe, drinnen und draußen.
Danke an euch alle.” 🙏🏼
Übungen
- „Direkt mit dem Herz“ (1. Grundübung)
- Punkt Lunge 4 – Eingezwängte Weiße – 俠白 (xia bai / xiá bái)
- Heilton: He (Herz/Dünndarm)
Nachmittag
Es war ein intensiver Übungsnachmittag, in dem es weiterhin um die Heilung der Mitte ging. Wir durften einer kleinen Behandlungssequenz beiwohnen, bei der Mio von Meister Li und Maren geklopft wurde. Es wurde nochmals darauf hingewiesen, dass die Ahnenprogramme von Geburt an auf uns wirken und unsere Schwingung verändern. Dadurch geraten wir aus unserer Mitte und wir “trainieren” nun durch Übungen und Konzentration, immer mehr in unsere eigene Mitte zu kommen- das bedeutet Heilung.
Übungen
- „Direkt mit dem Herz“ (1. Grundübung)
- 2. Grundübung – Yin und Yang spüren
- Punkt Perikard 3 – Der gekrümmte Moorsee – 曲澤 (qu ze / qū zé)
- Punkt Niere 1 – Die Emporsprudelnde Quelle – 湧泉 (yong quan / yŏng quán)
- Heilton: He (Herz/Dünndarm)
